Thema: Portrait Jakob Dunkl

Dipl. Ing. Jakob Dunkl
Einer der drei Inhaber des Wiener Architekturbüros querkraft

Querkraft. Dieses einzige Wort trägt die komplette Philosophie des österreichischen Architekturbüros in sich: Mit großer kreativer Energie voraus, oder in welche Richtung auch immer, nur nicht zurück. Hauptsache, man bleibt effizient, originell, ausdrucksstark, gar nicht engstirnig, niemals gewöhnlich und stagniert nicht.
Jakob Dunkl, der 1998 das Architektenteam „querkraft“ gründete, hat dementsprechend hohe Ansprüche – an sich selbst und an das Berufsbild des Architekten im Allgemeinen. Ein Gebäude muss in höchstem Maße  „funktionieren“, ohne dabei an kulturellem Wert zu verlieren.  Eine Art nachhaltiges Monument, mit einem Hauch von Poesie.

Ob es überhaupt möglich sei, all diese Werte in einem einzigen Bauwerk zu realisieren?„Ich denke, beim Museum Liaunig ist diese Kombination ganz gut gelungen“, sagt Jakob Dunkl. Das Museum ragt seit 2008 als spektakuläres Denkmal über eine stark befahrene Bundesstraße bei Neuhaus, Österreich und beherbergt die private Kunstsammlung Herbert Liaunigs. Gleichzeitig ist die Anlage höchst energieeffizient. Um das Energiekonzept zu perfektionieren, liegen zwei Drittel des Gebäudevolumens unterhalb der Erde.

Aktuell dreht Jakob Dunkl zusammen mit BuiltBy.TV, dem ersten internationalen Architektur-Channel online, im Auftrag des WDR für Arte Kurzfilme über Architektur. In jeder Folge von „Meine Stadt“ trifft Jakob Dunkl einen Architekten in einer europäischen Metropole, mit dem er dort auf Entdeckungsreise geht. Die Pilotfolge sei bereits im Kasten, kürzlich seien die Voice-Over- und Off-Texte im Tonstudio aufgezeichnet worden, berichtet er und fügt hinzu, Amsterdam mit Ben van Berkel  – nun, das sei schon etwas ganz Besonderes.

Die Highlights der Stadt sind unter anderem das bunte Steigereiland, eine künstlich geschaffene Insel mit vielfältigen und oft sehr ungewöhnlichen Wohnhäusern privater Auftraggeber und als Kontrast Zuidas, das top-moderne, urbane Bankenviertel mit den dafür typischen Wolkenkratzern. Das 21-geschossige Hochhaus „Mahler 4“  wurde von Ben van Berkel erbaut und lässt sich zu einem Wohnhaus umfunktionieren.

„Apropos, Wohnhaus. Wir arbeiten gerade unter Hochdruck an einem  Wiener Wohnhochhaus im Rahmen des geförderten sozialen Wohnbauprogramms“, sagt Jakob Dunkl begeistert.

Dabei werden teilweise mehrgeschossige Gemeinschaftsräume über sämtliche Etagen verteilt. Die interne Kommunikation der Bewohner wird mit den unterschiedlichsten Methoden spielerisch angeregt: Kleine ausklappbare und auf dem Geländer montierbare Wäscheständer sorgen für eine Schicht von flatternden Wäschestücken zwischen den Stockwerken, breite Fensterbänke verbreiten Wohlfühlatmosphäre und zum Himmel geöffnete, windgeschützte Gemeinschaftsräume laden zu Gesprächen an der frischen Luft ein.

In den Augen von Jakob Dunkl brennen sie alle, die tausend Ideen, Visionen, reizvolle Bau-Utopien, die man entgegen aller Gesetze zu verwirklichen versucht. Doch Burn-Out fürchtet er nicht: Er ist stolzer Familienvater, am späten Nachmittag ist für alle Büroschluss und Wochenendarbeit ist tabu. Freizeit und Familie sei sehr wichtig, steigere die Effizienz bei der Arbeit.
„Effizienz ist Thema aller unserer Arbeiten. Wir suchen vom Konzept bis zum Detail nach effizienten Lösungen. In dieser Art von Reduktion steckt kreatives Potential!“

Zusatzinfos
Die Erstausstrahlung von “Meine Stadt” ist am Sonntag, 2. Sept. um 16:00 Uhr auf Arte.
Weitere Informationen zu querkraft und Jakob Dunkl gibt es unter
www.querkraft.at
Infos zu „Meine Stadt“ und BuiltBy.Tv finden Sie unter
www.builtby.tv

1 Antwort
  1. Andreas Gottlieb Hempel
    Andreas Gottlieb Hempel sagte:

    Liebe Freunde, gerne lese ich Euer originelles mag 35. Zu Hell+Dunkl (so würde ich mich nennen statt querkraft – obwohl kräftig querdenken auch nicht schlecht ist). Die Wiener Architekten lieben die Kunstnamen – s. feld 72 u.a. auch sind die WieneR Architekturvokabeln toll. Da halte ich es gerne mit Karl Kraus: gemütlich bin ich selber. Aber effizient? Das ist doch keine Qualifikation für Architektur! Handwerker sollten effizient sein (sind sie aber meist nicht – am wenigsten die Elektriker, die Dümmsten am Bau, ‘tschuldigung, aber das stimmt!) oder Bankangestellte sollten effizient sein. Aber kann Architektur effizient sein? Wahrscheinlich genauso wenig wie Architektur intelligent oder ein Pils “gscheit” (Spatenreklame) sein kann. Also: Werbefuzzisprache!
    Aber damit müssen wir eben leben und die Architekten sollten sie lernen statt falsch zu gebrauchen. Wir wünschen dem Dunklbier effiziente Trinker mit ordentlichem Zug. Das brauchen wir im effizienten Sommer!
    Herzliche Sprachgebrauchsgrüße aus Südtirol, wo Deutsch eine erst zu lernende Fremdsprache ist – so wie in Wien.
    Andreas Gottlieb Hempel

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